tiefe · trauma sicherheitskritisch
Trauma-Stabilisierung — Ressourcenbasierte Session
Dauer: 25 Min.
Klangwerk: Wasserspiegel (Alpha — bewusst NICHT Theta/Tiefe)
Lesetext: anwendungsfelder/ptsd
Empfohlene Vorsession: tiefe/ressourcen-anker (mehrfach)
Kurzbeschreibung
Eine einzige, bewusst begrenzte Session zur Trauma-Stabilisierung — ausschließlich Phase 1 der modernen Traumatherapie (Stabilisierung, nicht Verarbeitung).
Therapeutisches Ziel
Für Menschen mit Trauma-Geschichte: ein Werkzeug zur Regulation, zur Ressourcenaktivierung, zum Grounding.
Diese Session öffnet nichts. Sie schließt nichts auf. Sie stabilisiert, was gerade instabil ist. Sie ersetzt keine Traumatherapie — sie kann diese allenfalls begleiten.
Didaktische Haltung
Nur Alpha, nicht Theta. Bewusst flache Induktion. Keine Tiefentrance, die Zugang zu implizitem Material öffnen könnte. Die Person bleibt die ganze Zeit nah an der Oberfläche.
Ressourcen, keine Erinnerungen. Die Session aktiviert Sicheren Ort, Körpergrounding, Anker. Sie fragt nie nach dem, was passiert ist.
Augen-offen-Option. Die Person kann die gesamte Session mit geöffneten Augen und Blick im Raum machen. Das unterstützt Orientierung und verhindert Absinken.
5-4-3-2-1 als Rückholanker. Wenn zwischendurch traumatisches Material aufsteigt — die Session bietet klare Anleitungen zum sofortigen Grounding.
Keine permissive Sprache über Erinnerungen. Übliche Formulierungen wie „vielleicht taucht etwas auf" werden hier vermieden — sie sind ein Einladungsverhalten, das bei Trauma destabilisieren kann.
Klare Stop-Signale. Die Session benennt explizit Momente, in denen abgebrochen werden soll.
Inhaltliche Bausteine
- Ausführlicher Warnhinweis + Einverständnis
- 5-4-3-2-1-Grounding zu Beginn
- Sanfte Alpha-Induktion — Augen offen erlaubt
- Sicherer Ort (aus Ressourcen-Anker, falls bekannt)
- Körpergrounding — Füße, Becken, Rücken, Atem
- Ressourcen-Verstärkung — „was trägt dich gerade?"
- Stabilitätssuggestionen — kurz, klar, wiederholt
- Rückkehr mit erneutem 5-4-3-2-1
- Klare Post-Session-Hinweise
Kontraindikation
- Akute Flashbacks, akute Intrusionen — nicht nutzen, erst therapeutisch stabilisieren
- Dissoziative Identitätsstörung — nur mit spezialisierter Behandlung, App nicht geeignet
- Akute suizidale Krise — sofort Krisenhilfe (Nummer im Skript)
- Alleinige Intervention bei diagnostizierter PTBS — nie ausreichend, nur begleitend
- Erste Tage nach akuter Traumatisierung — Fachperson vorher
Warnhinweis vor Session (ausführlich)
Diese Session ist für Stabilisierung — nicht für Trauma-Verarbeitung. Sie öffnet keine Erinnerungen und soll es auch nicht.
Wenn du:
- in akuter Krise bist → Telefonseelsorge 0800 111 0 111
- Flashbacks oder Intrusionen gerade erlebst → zuerst Fachperson
- ohne therapeutische Begleitung mit schwerem Trauma lebst → diese Session nur ergänzend, idealerweise mit Therapeut:in abgesprochen
Du kannst die Session jederzeit abbrechen. Dein Grounding-Anker ist: Hand aufs Brustbein, zwei Atemzüge, Augen öffnen.
Modulare Einbettung
- Setzt Ressourcen-Anker voraus (ideal mehrfach)
- Verweis auf PTSD-Text und Grenzen-Text
- Kann ergänzend zu ambulanter Traumatherapie genutzt werden — mit Absprache
Skript (Lesemodus)
44 Pausen · 420 Sek. Pausen-Summe · geschätzte Sprechzeit ca. 11 Min.
Trauma-Stabilisierung — Einsprechskript
Vorab (Bildschirmtext, muss bestätigt werden)
Diese Session stabilisiert. Sie öffnet keine Erinnerungen. Bei akuter Krise: **Telefonseelsorge 0800 111 0 111** (24h, kostenlos) Du kannst jederzeit abbrechen. Anker: Hand aufs Brustbein, zwei Atemzüge, Augen öffnen. **Einverständnis:** „Ich verstehe, dass diese Session keine Traumatherapie ersetzt und nur ergänzend zu fachlicher Begleitung sinnvoll ist."
Einleitung
Diese Session ist ruhig.
Sie gräbt nichts aus.
Sie fragt nichts ab.
Sie stabilisiert — das ist alles.
Du kannst die Augen offen lassen, wenn du möchtest.
Du kannst sie schließen, wenn das besser geht.
Beides ist richtig.
5-4-3-2-1-Grounding
Bevor wir tiefer werden, ein einfaches Grounding.
Schau dich im Raum um —
**fünf** Dinge, die du siehst.
Benenne sie innerlich. Langsam.
**Vier** Dinge, die du hören kannst —
auch leise, auch entfernt.
**Drei** Dinge, die du körperlich spürst —
Kleidung auf der Haut, Temperatur, Sitzfläche.
**Zwei** Dinge, die du riechen kannst —
oder riechen könntest, wenn du überlegst.
**Eine** Sache, die du schmecken kannst —
der eigene Mund reicht.
Du bist hier. Heute. In diesem Raum.
Sanfte Alpha-Induktion
Atem — ein. Und aus.
Wir gehen nicht tief heute.
Wir bleiben an der Oberfläche.
Das ist kein Nachteil — das ist die Absicht.
Fünf — einen Schritt weicher.
Vier — ein wenig ruhiger.
Drei — etwas getragener.
Zwei — und eins.
Du bleibst wach. Du bleibst klar.
Du hörst mich die ganze Zeit.
Orientierung prüfen
Spür die Sitzfläche — oder den Boden, wenn du stehst.
Das ist jetzt.
Das ist heute.
Das ist dein Körper, in diesem Moment.
Wenn zwischendurch etwas anderes auftaucht —
ein Bild, ein Gefühl, eine Erinnerung —
öffne die Augen, spür die Sitzfläche,
sag innerlich: *„Das ist vorbei. Ich bin jetzt hier."*
Das darfst du jederzeit.
Sicherer Ort (falls etabliert)
Wenn du einen Ressourcen-Ort hast —
aus den vorherigen Sessions —
leg die Hand aufs Brustbein.
Zwei ruhige Atemzüge.
Der Ort ist in Reichweite.
Du musst nicht dorthin reisen.
Du weißt nur: er ist da. Er hält.
Körpergrounding
Jetzt durch den Körper, von unten nach oben.
**Füße.** Sie haben Kontakt.
Spür die Fußsohlen. Spür, dass sie da sind.
**Unterschenkel. Oberschenkel.** Schwer. Getragen.
**Becken.** Der Boden trägt das Becken.
Du musst das Becken nicht halten.
**Rücken.** Die Wirbelsäule richtet sich auf, ohne Anstrengung.
Der Rücken weiß, wie Rücken geht.
**Brustkorb.** Atem geht rein und raus.
Du musst den Atem nicht machen.
Er kommt. Er geht.
**Schultern.** Darfst du loslassen.
**Arme. Hände.** Dürfen ruhen.
**Kiefer.** Darf lösen.
**Stirn.** Darf glatt werden.
Der ganze Körper ist versammelt.
Hier. Heute. In diesem Raum.
Was trägt dich gerade?
In deinem Leben gibt es Dinge, die dich tragen.
Vielleicht Menschen.
Vielleicht Orte.
Vielleicht Gewohnheiten, die dir gut tun.
Vielleicht ein Tier.
Vielleicht eine Arbeit, die Sinn macht.
Vielleicht der eigene Atem.
Lass drei Dinge kommen.
Einfach drei. Die ersten, die auftauchen.
Das sind deine Ressourcen.
Die existieren, auch wenn es schwer wird.
Die kannst du nicht verlieren, nur manchmal vergessen.
Stabilitätssuggestionen
Wenn du atmest, kommt Stabilität.
Wenn du Boden spürst, kommt Stabilität.
Wenn du die Hand aufs Brustbein legst, kommt Stabilität.
Das kannst du immer wieder machen.
Am Morgen. Am Abend. Zwischendurch.
Atem. Boden. Hand.
Drei Dinge, die du immer dabei hast.
Drei Dinge, die immer funktionieren.
Atem. Boden. Hand.
Rückkehr mit 5-4-3-2-1
Jetzt zurück in den Raum.
Wenn die Augen geschlossen waren — öffne sie jetzt.
**Fünf** Dinge sehen.
**Vier** hören.
**Drei** spüren.
**Zwei** riechen.
**Eine** schmecken.
Du bist hier.
Die Session ist zu Ende.
Nach der Session
Bleib einen Moment sitzen.
Trink Wasser. Beweg dich sanft.
Schau aus dem Fenster, wenn du kannst.
Wenn in den nächsten Stunden oder Tagen
etwas Belastendes auftaucht:
Atem. Boden. Hand.
Und — wenn es stärker wird als das — eine Fachperson kontaktieren.
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 (24h, kostenlos)
Nachklang
Diese Session kannst du so oft nutzen, wie du möchtest. Kein Aufbau, keine Reihenfolge. Sie ist kein Ersatz für Therapie — sie ist ein Werkzeug zwischen Terminen, an Tagen, an denen es schwer wird. Wenn du feststellst, dass du die Session häufig brauchst: das ist eine Information, keine Schwäche. Es heißt, dass etwas unterstützt gehört, was größer ist als diese Session. Dann ist der Weg zur Fachperson der richtige.